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Volksstimme von 2017-02-20

Maria schweigt im morschen Gebälk

Die größte und schwerste Glocke in Stendals St. Marien braucht neuen Halt: Ihr Glockenstuhl ist morsch und muss saniert werden.

Nehmen den morschen Eichenbalken in Augenschein: Bärbel Hornemann (von links), Michael Hentschel, Marco Vack und Thomas Heinrich.

Nehmen den morschen Eichenbalken in Augenschein: Bärbel Hornemann (von links), Michael Hentschel, Marco Vack und Thomas Heinrich. Foto: Nora Knappe

Von Nora Knappe Stendal • | Die Glocke Maria macht ganz schön was mit. Erst vor drei Jahren wurde sie für längere Zeit zum Schweigen gebracht. Hätte man sie weiterhin läuten lassen, wäre es wohl zu einem Unglück gekommen: Die lederne Aufhängung des Klöppels nämlich war durchgescheuert und die sie zusammenhaltende Metallspange gebrochen. Der 180 Kilo schwere Klöppel drohte herabzustürzen. Die aufwendige Reparatur konnte inzwischen finanziert und erledigt werden.
Seit Januar dieses Jahres aber muss Maria schon wieder schweigen. Diesmal wären statt 180 Kilogramm ganze 5000 absturzgefährdet gewesen – so viel wiegt der 1490 gegossene Klangkoloss. Die Glocke selbst hängt seit 1997 in ihrem Holzjoch zwar gut und stabil, aber der Glockenstuhl ist desolat. Die Schwelle an der Westseite ist durch Witterung und Gewürm stark beschädigt. „Den Schaden haben wir schon 2002 festgestellt, aber bisher war alles noch stabil”, sagt Bärbel Hornemann vom Förderverein Glocken St. Marien.

Glockenstuhl 500 Jahre alt
Nun musste die Notbremse gezogen werden, denn „jetzt sind auch die Halterungen des Andreaskreuzes auf der Westseite herausgebrochen”, erklärte Prüfstatiker Thomas Heinrich am Freitag bei einem Besichtigungstermin in dem 34 Meter hoch gelegenen Glockenstuhl. Für das Holzgerüst aus dem 15. Jahrhundert sei es aber immerhin die erste Reparatur dieser Größenordnung überhaupt.
Und wie ein Probeschnitt ergab, blieb die große Katastrophe aus: „Die Hauptschwelle ist zwar auch teilweise betroffen, aber das kriegen wir so repariert, ohne dass wir sie auswechseln müssen”, bilanziert Heinrich. Und auswechseln hätte bedeutet, die 5000-Kilo-Glocke auszubauen, um den Glockenstuhl mit Flaschenzügen anzuheben.
Das stabilisierende Andreaskreuz im Westteil des Glockenstuhls ist aus den morsch gewordenen Fußhalterungen gebrochen. Im Vordergrund der verwitterte Teil der Schwelle.

Das stabilisierende Andreaskreuz im Westteil des Glockenstuhls ist aus den morsch gewordenen Fußhalterungen gebrochen. Im Vordergrund der verwitterte Teil der Schwelle. Foto: Nora Knappe

Verein zahlt 5000 Euro
So muss jetzt lediglich das marode Teilstück der Eichenholz-Schwelle ersetzt, der neue Balken durch Überblattung mit dem verbliebenen Schwellenteil verbunden werden und müssen die Strebenfüße des Stabilisierungskreuzes instandgesetzt werden. Was an Reparaturaufwand überschaubar ist, bedeutet für den Förderverein Kosten von 5000 Euro. „Wir haben mit der Stadtgemeinde geklärt, dass wir das übernehmen, da wir sonst zu lange auf Haushaltsmittel warten müssten”, sagte Hornemann. Dennoch ist es eine ungeplante zusätzliche Ausgabe – zu allen anderen noch ausstehenden Reparaturen und Sanierungsarbeiten. So sind Mauerwerksarbeiten am Fenster rechts des Löwenportals noch nicht abgeschlossen und harrt auch der Turmhelm des Dachreiters noch seiner Sanierung.
Zu Ostern, so ist der Plan, soll Maria dann wieder läuten. Einer der wenigen Tage, an denen die vom namhaftesten Glockengießer des Mittelalters gegossene Großglocke zum Einsatz kommt. „Sie ist die bedeutendste Glocke im Geläut von St. Marien, das wiederum ein Aushängeschild von Stendal ist.”

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